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Not macht erfinderisch oder: Start-up-Nation Israel

Letzten Monat durfte ich mich einer Investorendelegation des VCs #btovpartners nach Israel anschließen. Besucht wurden Start-ups, Wirtschaftsverbände, Inkubatoren, Gründerzentren und wirtschaftliche Entscheidungsträger in den Regionen Jerusalem und Tel Aviv.

Was macht Israel diesbezüglich so interessant?
Kein anderes Land, bringt, bezogen auf die Einwohnerzahl so viele Start-ups hervor, wie Israel. Mehr als 8.000 Start-ups wurden seit Mitte der 90er-Jahre in dem kleinen Land gegründet.

Warum ist das so?
Eine Erklärung könnte in einem gründungsfördernden Umfeld liegen: Sowohl der Staat Israel als auch dortige Banken haben verschiedene Förder- und Unterstützungsprogramme für Gründer aufgelegt.
Eine zweite Erklärung könnte die generell höhere Risikoaffinität der Israelis sein. Man scheut sich weniger davor, Fehler zu machen. Man scheut sich nicht zu scheitern. Nur den wenigstens Gründern gelingt gleich bei der ersten Gründung der große Durchbruch.
Drittens könnte diese Risikoaffinität mit der Lebenswirklichkeit der Israelis zu tun haben: Man lebt seit Jahrzehnten defakto im Krieg mit den Nachbarn. Jeder Israeli muss einen verpflichtenden Wehrdienst leisten. Immer wieder fliegen Granaten und Bomben. Man ist mit der Bedrohung im Nacken aufgewachsen.

Daraus hat sich, wie uns #JonathanMedved, founder und CEO von #OurCrowd in Jerusalem erklärte, bei den Israelis die Geisterhaltung und der Ehrgeiz entwickelt:

Turning Curses into Blessing

oder auf gut Deutsch: Aus Nöten werden Tugenden gemacht.
Beispiele hierfür:
>> Die permanente militärische Bedrohung – was die Israelis extrem erfinderisch vor allem im technologischen Bereich und im Bereich von Sicherheitstechnologien machte. Zentrale Innovationstreiber sind Rüstung und Militär.
>>Diese Notwendigkeit rief auch das Thema Cybersecurity auf den Plan: Israel hat im IT und KI-Bereich beachtliches Know-how entwickelt und hat bereits namhafte Unternehmen hervorgebracht wie den weltweit ersten Messaging-Dienst ICQ, Intel Pentium Prozessoren, die App Waze oder Mobileye, den führenden Anbieter von Software für Fahrerassistenzsysteme.
>> Die Wasserarmut im Land, das über weite Strecken mit Wüste überzogen ist – was zur Erfindung von Bewässerungssystemen führte. So beispielsweise auch die Weiterentwicklung der bereits in der Antike genutzten Tröpfchenbewässerung. Dies macht Israel trotz der trockenen Klimas zu einem hohen Grad landwirtschaftlich autark Oder, wie dies #GilHorsky, Director of Innovation bei Snackfutures in einem Vortrag formulierte: In Israel gibt es aufgrund widriger äußerer Umstände geradezu eine Notwendigkeit zur Innovation.

Zahlreiche Start-ups wurden bereits groß und bekannt. Einige der jüngsten Beispiele: Im September hat die Fastfoodkette #Mc Donald’s das israelische Startup #Apprente übernommen. Apprente hat eine Technologie für Sprachcomputer entwickelt. Mc Donald’s plant, künftig Bestellungen über Sprachcomputer abzuwickeln.
Der Name #AlephFarms dürfte mittlerweile auch Vielen ein Begriff sein: Dieses israelische Start-up gab gerade im Oktober bekannt, dass es erstmals gelungen sei, Fleisch unter Weltraumbedingungen zu züchten. Damit soll gezeigt werden, dass man künstliches Fleisch klimafreundlich und ohne Tierleid überall herstellen kann, was für die künftige Welternährung ein relevantes Thema werden könnte.
Ursprünglich als israelischer Snack für unterwegs gedacht, eroberten Cherrytomaten die Welt. Die kleinen runden oder ovalen Tomaten gibt es in mehreren Farben, deren Kreuzung wurde ursprünglich als gesunder Fernsehsnack an der Hebrew University entwickelt. Bis heute haben sie ihren Siegeszug nicht nur nach Deutschland, sondern um die ganze Welt angetreten: „Esst nur recht viel davon, ermunterte uns #YaronDaniely. Er ist der General Manager von Yissum Tech Transfer, dem For-profit-Unternehmen des Hebrew University, das an jeder Minitomate, die wir essen, mitverdient.

Was die Unterstützung und finanzielle Förderung von Start-ups anbelangt hat Grisha Alroi-Arloser, Chef der Israelisch-Deutschen Handelskammer die Erfahrung gemacht: In Israel finanzieren Geldgeber gescheiterte Existenzgründer, die einen zweiten Versuch wagen, fast lieber als komplette Newcomer. In Deutschland wäre das wohl undenkbar. 

In Deutschland ehren wir die Vergangenheit – in Israel präsentiert man die Zukunft

Trotz des wahrlich großen historischen Erbes, den das „gelobte Land“ trägt kann ich so meinen Gesamteindruck von der Einstellung der Israelis zusammenfassen. Bildlich wurde das im „Peres Center for Peace and Innovation“: Einem „Museum“, das die vergangenen und einige laufende Innovationen des Landes vorstellt (dort habe ich u. a. gelernt, dass Israel – siehe oben - den USB-Stick erfunden hat). Der Stolz, der in dieser Ausstellung zum Ausdruck kommt, ist greifbar. Das Museumsthema ist zukunftsgerichtet. Mittels VR erhalten wir auch ein Bild der künftigen Verkehrsinfrastruktur. Als Grundsätzlich-gerne-ins-Museum-Geherin habe ich mich gefragt, ob ich auch ein deutsches Museum kenne, das uns nicht nur alte Motoren, sondern auch aktuelle Erfindungen von uns Deutschen vor Augen hält. Ich kenne leider kein einziges.